Forschungskerne für Massenspektrometrie in der Systemmedizin

In der Systemmedizin werden verschiedene molekularbiologische Daten genutzt, um komplexe physiologische und pathologische Prozesse im menschlichen Körper in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Die so gewonnenen Erkenntnisse legen die Grundlagen für frühzeitigere Diagnosen und präzisere und nebenwirkungsärmere Therapien im Rahmen einer personalisierten Medizin. Um Einblick in die komplexen molekularen Netzwerke im menschlichen Körper zu erhalten, bedarf es geeigneter experimenteller Methoden und Analysewerkzeuge. Das Feld der Genomics wird derzeit durch massiv parallele Hochdurchsatzverfahren („Next-Generation-Sequencing“) revolutioniert. Diese Technologie wird mittlerweile bereits verstärkt zur Beantwortung klinisch relevanter Forschungsfragen in der Systemmedizin herangezogen.

Für die anderen Omics-Bereiche birgt insbesondere die Methode der Massenspektrometrie ein ähnlich hohes Potential, den Erkenntnisgewinn in der Systemmedizin entscheidend voranzubringen. Massenspektrometrie kann zur Identifizierung, Charakterisierung und Quantifizierung einer Vielzahl von Biomolekülen eingesetzt werden. Mit ihrer Hilfe lässt sich das Zusammenspiel krankheitsrelevanter Zellkomponenten besser verstehen und medizinisch nutzen. Neben den Proteinen als zentralen Funktionsträgern der Zelle und primären Ansatzpunkten von Medikamenten (Proteomics) lassen sich mit Hilfe der Massenspektrometrie weitere wichtige Zellkomponenten erfassen, wie Stoffwechselprodukte (Metabolomics), Zucker (Glycomics) und Fette (Lipidomics).

Etablierung lokaler Forschungskerne

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) möchte in Deutschland die Voraussetzungen dafür schaffen, dass innovative massenspektrometrische Verfahren eine breitere Nutzung in der Systemmedizin erfahren. Um dieses Ziel zu erreichen sollen lokale Forschungskerne für Massenspektrometrie in der Systemmedizin etabliert werden. In einem Forschungskern sollen universitäre bzw. außeruniversitäre Forschungsgruppen mit herausragender Expertise in massenspektrometrischer Analytik und Methodenentwicklung mit geeigneten klinischen und theoretisch ausgerichteten lokalen Partnern zusammenarbeiten. Zudem können sich Wirtschaftsunternehmen aus dem Umfeld der Massenspektrometrie beteiligen. Die Inhalte sind an einer Forschungsfrage mit klinischer Relevanz ausgerichtet.

Zur Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der Massenspektrometrie sollen zudem Nachwuchsgruppen gefördert werden und von den Forschungskernen Konzepte zur Implementierung eines Lehrplans erarbeitet werden.

Zur Bekanntmachung

Kontakt

Dr. Sigrid Grolle
Projektträger Jülich
Tel.: 02461 61-8602
E-Mail: s.grolle@fz-juelich.de

Dr. Björn Dreesen-Daun
Projektträger Jülich
Tel.: 02461 61-8704
E-Mail: b.dreesen@fz-juelich.de